Der Lebenslauf

Personalverantwortliche sowie Führungskräfte haben eine Vielzahl von Bewerbungen vor sich und gleichzeitig wenig Zeit. In aller Regel wird daher zuerst der Lebenslauf gelesen, hierauf werden nur 2-3 Minuten verwendet. Erst wenn der Lebenslauf interessant erscheint, wird das Anschreiben gelesen und danach entschieden, ob der Bewerber oder die Bewerberin in die engere Auswahl kommt.  

Das heißt, der Lebenslauf ist das Kernstück Ihrer Bewerbung. Legen Sie besonderes Augenmerk hierauf und planen Sie hierfür ausreichend Zeit ein. Ist der Lebenslauf einmal übersichtlich und gut strukturiert erstellt, lassen sich Änderungen - z. B. bei den Aufgabenbeschreibungen - schnell umsetzen.

Es gibt in Deutschland keine Norm für Bewerbungsunterlagen. Gleichwohl haben sich einige Grundsätze durchgesetzt, an die man sich halten sollte – angepasst an den eigenen Werdegang, die angestrebte Position und das Unternehmen.

Es existiert daher keine feste Norm, wie ein Lebenslauf aufgebaut sein muss. Eine übersichtliche Darstellung erreicht man in der Regel, wenn man die folgenden Punkte berücksichtigt:

  • Der Lebenslauf sollte unbedingt umgekehrt chronologisch verfasst werden (neueste Ereignisse zuerst), die umgekehrte Anordnung (älteste Ereignisse zuerst) ist veraltet.
  • Umfang: 1-3 Seiten
  • Eine einheitliche und durchgängige Formatierung in Aufbau und Struktur wählen

Beispiel:

  1. Zeile: Unternehmensname/Universität, Ort (z.B. fett)
  2. Zeile: Tätigkeit/Studium
  3. Zeile: Aufgaben/Studieninhalte in Stichpunkten
  • Passen Sie nicht nur das Anschreiben, sondern auch den Lebenslauf an die jeweilige Stellenausschreibung an. Gerade bei den Aufgabenbeschreibungen haben Sie die Möglichkeit, die jeweils relevanten Aufgaben in den Mittelpunkt zu rücken und weniger relevante weg zu lassen.
  • Gleiche Schriftart und -größe wie im Anschreiben
  • Schriftart: Wählen Sie eine klassische, gut lesbare Schrift wie z. B. Arial, Calibri oder Verdana.
  • Für internationale Studierende des KIT bietet das Studierendenwerk Karlsruhe eine kostenlosen Deutschkorrektur-Service an.

Aufbau

Im Folgenden werden unterschiedliche Stationen genannt, die in einem Lebenslauf als Gliederungspunkte auftauchen können. Bitte beachten Sie, dass ein Gliederungspunkt nur dann aufgenommen wird, wenn Sie ihn tatsächlich mit Inhalt füllen können. Auch die Reihenfolge kann sich verändern, wenn es der Übersichtlichkeit dient. 

Im Unterpunkt „Persönliche Daten“ sollten in tabellarischer Form alle Informationen zu finden sein, die für das Unternehmen in Bezug auf Ihre Person und die Kontaktaufnahme wichtig sind. Sie können einen Teil der persönlichen Daten - die Kontaktdaten - auch in einer Kopfzeile platzieren. Wählen Sie eine kleinere Schriftgröße und eine graue Schriftfarbe und Sie haben eine Art Briefpapier, das dann in dieser Form auch im Anschreiben wieder auftaucht.

Im Detail:
  • Für den Arbeitgeber relevante Angaben, insbes. Kontaktdaten (Adresse, Telefon, Handy, E-Mail)
  • Konfession, Angaben zu Eltern, etc. werden nicht genannt
Freiwillige Angaben:
  1. Geburtsdatum und -ort
  2. Familienstand
  3. Kinder: freiwillige Angabe – dennoch: wollen Sie in einem Unternehmen arbeiten, das nicht weiß, dass Sie Kinder haben?
  4. Staatsangehörigkeit

 

  • Entfällt bei Berufsanfänger*innen
  • Doktorand*innen sollten hier ihre wissenschaftliche Tätigkeit angeben, die sie neben ihrer Promotion ausüben, damit werden sie auf einen Blick als berufserfahrene*r Bewerber*in erkannt
  • Eine aktuelle Tätigkeit/Weiterbildung an dieser Stelle kann Lücken kaschieren
Aufbau:
  1. Unternehmensname, Ort
  2. Art der Tätigkeit, Abteilung
  3. Aufgaben in 3-4 Stichpunkten: hier geben Sie die für die vakante Stelle relevanten Aufgaben an

 

Auch hier sollten Sie beachten, welche Teile besonders relevant für die aktuelle Bewerbung sein können. Es kann durchaus sinnvoll sein, ein fachlich passendes Seminar aufzunehmen. Auslandsaufenthalte an einer ausländischen Hochschule gehören ebenfalls unter diesen Punkt.

Aufbau (Beispiel):
  1. Hochschule, Ort: Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Karlsruhe
  2. Studiengang, Abschluss, Vertiefung: Master-Studium Wirtschaftsingenieurwesen, Vertiefungsfächer: Marketing & Fahrzeugtechnik
  3. Titel der Abschlussarbeit: Thema der Masterarbeit: „Entwicklung von …“
  4. Ausnahmsweise Seminare, wenn diese für die konkrete Stelle relevant sind.

 

Unter dieser Überschrift werden alle Praktika und qualifizierende Nebentätigkeiten aufgelistet. Bei einer Vielzahl von Tätigkeiten können Praktika & Nebentätigkeiten jeweils separat aufgeführt werden.

Aufbau (Beispiel):
  1. Unternehmensname, Ort: Siemens AG, Erlangen
  2. Art der Tätigkeit, Abteilung: Werkstudent in der Abteilung Marketing
  3. Aufgaben in 2-3 Stichpunkten (wichtig - ohne diese Angabe ist nicht ersichtlich, was Sie dort gelernt haben): Erstellen von Marketingplänen, Mitarbeit bei der Gestaltung der Homepage

Bei berufserfahrenen Bewerberinnen und Bewerbern sowie Doktorandinnen und Doktoranden hier ausdünnen und kürzen, je nachdem wie berufserfahren der*die Bewerber*in bzw. je nachdem wie lang der Lebenslauf ist.

Hinweis: Praktika im Rahmen des Studiums, d.h. curriculare Praxisübungen, werden in der Regel nicht als praktische Erfahrung im engeren Sinn gewertet und daher nicht im Lebenslauf genannt.

 

Kurz und knapp angeben, u.a. auch um eine Lücke zu vermeiden.

 

  • Abschluss nennen
  • Ggf. Auslandsaufenthalt
  • Ohne Grundschule!
  • Wird die Schulbildung separat zum Studium an dieser Stelle angeführt, bleibt meist auf der ersten und wichtigsten Seite mehr Platz für relevante Praktika o.ä.

 

Weiterbildungen, die nicht unter den Punkt Studium passen, können hier aufgeführt werden. Bei Studierenden entfällt dieser Punkt häufig.

  • Aus Gründen der Übersichtlichkeit kann es ggf. sinnvoll sein, die Kenntnisse zu untergliedern, z.B. in Programmiersprachen, Betriebssysteme, weitere Software, etc.
  • Eine Bewertung der IT-Kenntnisse ist nicht zwingend nötig, kann jedoch – je nach Stelle und Fachbereich – sinnvoll sein. Geben Sie in diesem Fall eine ehrliche Selbsteinschätzung.

 

Wenn Sie keine Zertifikate vorliegen haben, versuchen Sie eine ehrliche Einschätzung vorzunehmen. Ist eine Fremdsprache wichtige Einstellungsvoraussetzung – z.B. wegen Reise-Tätigkeit im Ausland – müssen Sie damit rechnen, dass man Ihnen im Vorstellungsgespräch Fragen in der entsprechenden Fremdsprache stellt

  • Einschätzung erforderlich
  • Auch möglich: Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen (GER)
  • TOEFL-Test o. Ä. angeben
  • Muttersprache Deutsch: wird i.d.R. nicht genannt*Sprach- und IT-Kenntnisse können auch auf der Ebene „Sonstige Kenntnisse“ angeführt werden
Folgende Abstufungen sind möglich:
  • Muttersprache
  • Verhandlungssicher: Diskussion über komplexe Themen möglich
  • Fließend (in Wort und Schrift): Verständigung problemlos möglich
  • Sehr gut
  • Gut
  • Grundkenntnisse
  • A1 und A2 – Elementare Sprachverwendung
  • B1 und B2 – Selbstständige Sprachverwendung
  • C1 und C2 – Kompetente Sprachverwendung

* Ausnahme: es kann hilfreich sein, als Muttersprache Deutsch anzugeben:

  • Bei einem ausländisch klingenden Nachnamen
  • Oder wenn Sie erkennbar im Ausland aufgewachsen sind

 

Die Angabe von ausgewählten Publikationen ist bei einer Bewerbung in der Wirtschaft – anders als in der Wissenschaft – optional. Der Umfang der Darstellung von Publikationen ist dabei abhängig von der Art der Stelle, auf die Sie sich bewerben. Generell gilt, dass die Angabe von Publikationen umso wichtiger ist, je näher die angestrebte Stelle an der Grundlagenforschung ist. Speziell bei einer Bewerbung für eine Stelle in einer Forschungsabteilung ist die Angabe von (relevanten) Publikationen ausdrücklich erwünscht. Meist sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Abteilungen selbst promoviert und können die Relevanz von Veröffentlichungen sehr gut einschätzen.

Die Auswahl der Publikationen sollte nach dem Kriterium der fachlichen Relevanz bzw. des Bezugs des Themas zur angestrebten Stelle erfolgen. Auch Publikationen, die ggf. fachlich nur bedingt relevant sind, jedoch in renommierten Blättern veröffentlicht wurden, können angegeben werden.

Sie können max. 3-4 Publikationen direkt im Lebenslauf nennen. Sollten Sie weitere relevante Publikationen vorweisen können macht es Sinn, die Veröffentlichungen in einem separaten Dokument zu präsentieren (z.B. mit Titel „Publikationen“). Auch hierbei gilt es, lediglich eine Auswahl der relevanten bzw. interessanten Publikationen zu nennen – eine übermäßig lange Liste mit allen möglichen Veröffentlichungen in unwichtigen Blättern ist ein No-Go.

 

  • Hochschulgruppen, ggf. Tätigkeit beschreiben
  • Aktive Vereinsmitgliedschaften, z.B. Kassenwart, Vorsitzender
Stipendien/Auszeichnungen
  • Z.B. Stipendiat Deutschlandstipendium

 

  • Ehrliches Interesse des Unternehmens etwas Persönliches über Sie zu erfahren
  • Als Chance sehen: Kann Aufhänger für einen lockeren Einstieg in ein persönliches Gespräch sein

 

Referenzen sind bei einer Bewerbung in der Wirtschaft – anders als in der Wissenschaft- optional, können aber auch dort einen echten Vorteil darstellen, insbesondere wenn zu erwarten ist, dass Ihr Referenzgeber im Unternehmen bekannt ist. Bei Bewerbungen im Ausland und bei einer Wissenschaftskarriere werden sie meist erwartet. Nennen Sie den Referenzgeber im Lebenslauf.

Die Referenz selbst kann auf verschiedenen Wegen erfolgen:
  • Kontaktdaten des Referenzgebers angeben, soweit er oder sie diesem Vorgehen zugestimmt hat
  • Name, Titel etc. nennen & „auf Anfrage“ oder
  • Name, Titel etc. nennen & Empfehlungsschreiben beifügen (vergleichbar mit einem Zeugnis)
Wer kann Referenzgeber sein?
  • Ehemalige Vorgesetzte
  • Betreuer*in der Abschlussarbeit/Doktorarbeit

Wichtig: Klären Sie unbedingt vorab mit dem Referenzgeber, ob er oder sie bereit ist, eine Referenz über Sie abzugeben.

 

Zu einem vollständigen Lebenslauf gehört nach wie vor eine Unterschrift. Sie garantieren damit die Richtigkeit Ihrer Angaben. Ihre Unterschrift können Sie einscannen und immer wieder verwenden. Denken Sie daran, das Datum des Lebenslaufes bei jeder neuen Bewerbung zu aktualisieren.

Bewerbungsfoto

Bitte verwenden Sie ausschließlich ein professionell aufgenommenes Foto. Wer stapelweise Bewerbungen sichtet bzw. E-Mails durchklickt, erkennt rasch den Unterschied zwischen einem professionellen Foto und einem zwar guten, aber dennoch von einem Laien aufgenommenen Foto.

  • Es wird Ihnen kaum ein Unternehmensvertreter offen sagen, aber: Ein sympathisches, freundliches und professionelles Foto kann positive Auswirkungen auf die Beurteilung Ihrer Bewerbung haben.
  • Platzierung: Alternativ auf Deckblatt oder Lebenslauf (nicht doppelt)
  • Schwarz-weiß oder Farbe: beides möglich
  • Angemessene Kleidung wählen
  • Freundlicher Gesichtsausdruck

Layout und Formatierung

Layout und Formatierung sind wesentliche Gestaltungselemente des Lebenslaufs. Hier gilt die Regel: Je übersichtlicher und einheitlicher, desto besser. Denn eine übersichtliche Anordnung der Informationen und die Nutzung einheitlicher Abstände, Schriftarten, Schriftgrößen, Fettschrift usw., machen den Lebenslauf besser lesbar und verständlich.

Es kann ab und an vorkommen, dass Bewerbungsunterlagen nicht zuerst durch einen Menschen in der Personalabteilung, sondern durch ein Bewerbermanagement-System geprüft werden. Zum Einsatz kommen in so einem Fall sogenannte CV-Parser, die im Lebenslauf automatisch nach vordefinierten Begriffen suchen und mit der Stellenausschreibung abgleichen. Damit das System gute Ergebnisse liefern kann, ist es wichtig  bei der Erstellung des Lebenslaufs einige Punkte zu berücksichtigen:

Beim einseitigen Lebenslauf gibt es meist mehr als zwei Spalten, die noch dazu häufig unterschiedlich formatiert sind. Das macht es CV- Parsern schwer, da sie häufig von ganz links bis ganz rechts scannen. Nicht zusammenhängende Informationen in verschiedenen Spalten werden daher oft miteinander vermischt. Mit einem zweispaltigen (1. Spalte: Zeitangabe; 2. Spalte: Inhalt) und ggf. mehrseitigen Lebenslauf machen Sie daher alles richtig.

 

Waren Sie längerfristig aber in verschiedenen Funktionen bei einem Unternehmen / einer Einrichtung tätig sollten sie dies klar und deutlich angeben.

  • Beispiel:

10.20XX - 09.20XX          ABC GmbH
                                           04.20XX – 09.20XX Masterand im Bereich QRS 
                                          10.20XX – 03.20XX Praktikant im Bereich XYZ                                                                                                                                              

  • Bessere Darstellung:

04.20XX – 09.20XX          ABC GmbH
                                           Masterand im Bereich QRS
                                           - Simulation von GHI

10.20XX – 03.20XX          ABC GmbH
                                           Praktikant im Bereich XYZ
                                           - Analyse von DEF

 

Zeitangaben sollten immer im gleichen Format in der Form MM/JJJJ oder MM.JJJJ angegeben werden, da sie sonst ggf. nicht eindeutig erkannt werden können. Auch das (voraussichtliche) Enddatum sollte immer angegeben werden. Bei einer aktuellen Position oder Tätigkeit ohne absehbares Enddatum nennen Sie nur das Startdatum, z.B. in der Form „seit 04/2021“.

 

Nutzen Sie den Begriff „Abschlussnote“ für z.B. Abitur und das abgeschlossene Studium. Außerdem sollten Noten in einer separaten Zeile aufgeführt und nicht z.B. lediglich durch ein Komma vom vorherigen Text getrennt werden.

  • Abitur, Note 2,1     ►     Abitur
                                            Abschlussnote: 2,1

 

Um Missverständnissen vorzubeugen ist es besser, Begriffe auszuschreiben; Es sei denn, der Begriff wird in der Stellenanzeige ebenfalls abgekürzt verwendet.

KI     ►     Künstliche Intelligenz

 

Text in Verbindung mit einer Buchstaben-Zahlen-Kombination (z.B. „Englisch C1“) bereiten manchen CV-Parsern Probleme. Besser ist es, die Bewertung auszuschreiben, also z.B. „fließend“ oder „verhandlungssicher“. Außerdem sollte jede Sprache in einer separaten Zeile aufgeführt werden.

Englisch C1, Französisch B1     ►     Englisch: Fließend
                                                                Französisch: Gute Kenntnisse

Balkendiagramme, Schaubilder oder die Bewertung von Kenntnissen mit Sternchen, Punkten, etc. bereiten einigen CV-Parsern ebenfalls Probleme. Eine Auflistung mit einer Bewertung der Kenntnisse in Worten („gute Kenntnisse“, „sehr gute Kenntnisse“, etc.) ist hier die bessere Lösung.

 

Video-Tutorial zum Lebenslauf

Beispiele

Die perfekte Bewerbung kann bei jeder Bewerberin / jedem Bewerber und auch bei jeder neuen Ausschreibung bzw. bei einem anderen Unternehmen komplett anders aussehen. Der Aufbau eines Lebenslaufes, der zu einem Studierenden passt, ist bei einer Kommilitonin / einem Kommilitonen vielleicht fehl am Platz.

Betrachten Sie unsere Beispiel-Unterlagen daher als Anregung, Ihre können ganz anders aussehen – Hauptsache sie sind übersichtlich und das Wesentliche ist schnell erfassbar.

 

Lena Held
KIT-Career-Service Karriereberatung

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