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40 Jahre Fakultät für Informatik am KIT

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Jochen Dietrich

Vor 40 Jahren wurde an der damaligen Fridericiana die erste Fakultät für Informatik in Deutschland gegründet. Im Oktober wurde dieses Jubiläum feierlich begangen. Bereits ein Jahr vor der Gründung der Fakultät schloss Herr Jochen Dietrich an der Universität Karlsruhe als erster Akademiker in Deutschland sein Studium als Diplom-Informatiker erfolgreich ab.

 

Im Wintersemester 1969/1970 wurde der Studiengang Informatik am KIT eingeführt – schon 1971 schlossen Sie als Diplominformatiker ab.  Wie studiert man in einer so kurzen Zeit?

Den frühen Abschluss meines Informatik-Studiums verdanke ich - außer meinem eigenen Engagement - mehreren glücklichen Umständen : zum Einen konnte ich mein Studium in Mathematik, das ich 1964 an der damaligen TH Karlsruhe begonnen hatte, trotz einiger „Bummelsemester“ 1967 mit dem Vordiplom erfolgreich abschließen. Während eines   anschließenden Studienaufenthaltes in Lyon/ Frankreich bin ich dann zur Informatik „konvertiert“, da am dortigen Partnerinstitut der TH keine Mathematik-Fakultät bestand. Nach meiner Rückkehr an die - inzwischen - Universität Karlsruhe war kurz zuvor die Fachrichtung „Informatik“ eingerichtet worden und – welch weiterer glücklicher Umstand – mir wurden mein Mathe-Vordiplom und die Semester in Frankreich anerkannt. Ich hatte also einen fliegenden Start in die Informatik.
In dieser Pionierzeit war natürlich sowohl die Anzahl der Professoren – zum Teil Lehrkräfte aus der Industrie – wie auch der Studenten „überschaubar“. Die Vorlesungen fanden zunächst im eher kleinen Rahmen aber sehr effizient statt, überfüllte Hörsäle waren ein Fremdwort.


Über was schrieben Sie damals Ihre Diplomarbeit?

Meine Diplomarbeit umfasste dann die Kopplung eines dem Zentralrechner der Universität vorgeschalteten Kleinrechners, einer DEC PDP-8, zum Anschluss weiterer Außenstellen an die „HYDRA“ des Rechenzentrums. Heute würde man das wohl als „Server“ bezeichnen . Auch wenn die Inhalte des damaligen Studiums und der Diplomarbeit heute eher antiquarisch anmuten, so waren sie vor über vier Jahrzehnten doch ebenso fortschrittlich wie manche Innovation heute. Erst mehr als ein Dutzend Jahre nach Abschluss meines Informatikstudiums 1971 erreichte die erste E-Mail einen deutschen Mail-Server – 1984 den des Rechenzentrums der damaligen Universität Karlsruhe.


Früher waren Auslandsaufenthalte nicht selbstverständlich. Wie haben Sie damals Ihren Aufenthalt organisiert und finanziert?

Mein Studienaufenthalt 1967/68 in Frankreich wurde von mir beantragt und durch den DAAD bewilligt und auch organisiert. Im Austauschprogrammes mit dem INSA - Institut National des Sciences Appliquées - in Lyon war auch die Finanzierung und Organisation der Unterkunft auf dem Campus beinhaltete. Ich konnte mich also ausschließlich auf mein Studium konzentrieren.
Aus eigener Erfahrung empfehle ich, noch während der Schul-/Studienphase einen Auslandsaufenthalt einzulegen – in der zunehmend globalisierten Arbeitswelt und insbesondere einer Tätigkeit in der IT ein wertvolles „asset“.


Die Informatik ist geprägt von rapiden Entwicklungen. Was haben Sie aus dem Studium für Ihr Berufsleben mitgenommen?

Zunächst einmal das reine Fachwissen – natürlich Stand der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts - und ein gewisses Gefühl des Stolzes, dieses Studium als Erster abgeschlossen zu haben. Die Anforderungen heute sind andere: dass in der IT nichts so schnell veraltet wie das gerade aktuelle Know-how, ist ja hinreichend bekannt, die Innovationen erfolgen wie im Zeitraffer. Die Konsequenz für mein Studium und Berufsleben war zwangsläufig die Bereitschaft, mir ständig neues Wissen anzueignen und gelegentlich auch mir unbekanntes Terrain zu betreten. Rückblickend sage ich: ich habe im Studium - vielleicht unbewusst – gelernt zu „lernen“, was mir in der heutigen Zeit des lebenslangen Lernens sehr zugute kommt.


Den Kontakt zum KIT haben Sie immer gesucht und gehalten. Warum war dieses Netzwerk für Sie immer wichtig?

Der Austausch von Informationen mit den „Ehemaligen“ - nicht nur der Informatik - ist mir angesichts der ständigen Neuerungen wichtiger denn je, weil er meinen Wissensstand auch über andere Technologie- und Wirtschaftsbereiche aktualisiert. Die Kommunikation auch mit den jüngeren „Semestern“ wird dadurch gefördert und ich halte mich geistig fit. Außerdem ist mir der gesellschaftliche Umgang im Kreise der KIT-Alumni wichtig und bereitet mir Freude.


Heute engagieren Sie sich ehrenamtlich als Berater in Entwicklungsländern. Wie kam es zu diesem Engagement?

Im Laufe meines Berufsleben war ich u.a. auch für internationale Kooperationen zuständig und in den letzten vier Jahren dann Repräsentant eines Technologieunternehmens in Berlin. Über das dortige Netzwerk kam der Kontakt zu einer Organisation der Deutschen Wirtschaft zustande, dem „Senior Experten Service“, der weltweit Ausbildung und Beraterdienste auf ehrenamtlicher Basis leistet. Ich selbst gebe meine Erfahrungen aus fast 40 Jahren Tätigkeit in der Industrie an junge IT-Firmen im Bereich des Unternehmensmanagements weiter.


Viele Informatiker/innen machen sich selbstständig. Haben Sie nie darüber nachgedacht?

Die Frage stellte sich mir zum damaligen Zeitpunkt nicht – schlicht mangels Kenntnis des „Marktwertes“ eines Diplom-Informatikers und der konkreten Einsatzmöglichkeiten in der Wirtschaft. Heute bietet eine Selbständigkeit als Informatiker – vom „free lancer“ bis hin zum Unternehmer – sicher sehr gute Erfolgschancen, insbesondere auch wegen der Anwendung der Informatik in vielen Technologiebereichen aber auch in der Ökonomie, Ökologie, Medizin, Medienlandschaft, um nur einige zu nennen – man könnte auch sagen: die meisten dieser Bereiche sind heute auf die Informatik angewiesen.