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Der Magier mit Diplom

Im Gespräch mit Alumnus und Zauberer Simon Pierro
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Simon Pierro

Wer Spielkarten wie einen Boomerang durch den Hörsaal wirft und auf der Straße um ein Autogramm gebeten wird, ist sicher kein gewöhnlicher Student. Simon Pierros Studium war außergewöhnlich: tagsüber saß er mit seinen Kommilitonen des Wirtschaftsingenieurswesens im Hörsaal und nachts trat er als Zauberer auf. Als Autodidakt hatte er Erfolge auf beiden Linien. Noch vor dem Studienabschluss erhielt der damals 25-Jährige in Las Vegas aus den Händen von Siegfried des Magierduos Siegfried & Roy den Sarmoti-Award als vielversprechendstes Talent weltweit. Heute verzaubert er die Menschen auf Kleinkunst-Bühnen, auf internationalen Zauber-Shows und regelmäßig im deutschen Fernsehen, z.B. in der ARD-Sendung „Verstehen Sie Spaß“. Das Interview führte Claudia Reichert.

 

Herr Pierro, ein Hütchenspieler in New York City hat Sie als 15-Jährigen um 20 US$ erleichtert. Warum hat Sie nach diesem Erlebnis der Ehrgeiz gepackt?

PIERRO: Das war für mich immerhin ein halbes Vermögen, da wollte ich doch zumindest verstehen, wieso ich verloren habe. Mit einem Zauberbuch von meiner Schwester begann ich mich daraufhin für die Materie zu begeistern. Rückwirkend waren die 20 Dollar natürlich eine gute Investition, die auch zeigt, dass aus scheinbaren Niederlagen ganz wunderbare Dinge entstehen können.

 

Schon vor Ihrem Studium zum Wirtschaftsingenieur haben Sie mit Zauberkunststückchen vor Publikum begonnen. Was war der Auslöser für eine Karriere als Zauberer?

PIERRO: Während meines Studiums führte ich quasi ein Doppelleben. Bis spät in der Nacht hatte ich Auftritte, meinen Schlaf holte ich dann in den Mathe-Vorlesungen nach, die ich bald daraufhin vom Stundenplan strich. Gott sei Dank stellte sich heraus, dass ich ein guter Autodidakt bin und somit meine Prüfungsvorbereitungen im Wechsel mit meinen Proben für Wettbewerbe flexibel gestalten konnte. Letztlich war dann der große Erfolg bereits während des Studiums Auslöser für die Karriere als Zauberer.

 

Sie haben parallel zu Ihren Erfolgen auf internationalen Wettbewerben Ihr Studium durchgezogen. Warum war Ihnen der Studienabschluss wichtig?

PIERRO: Das Ziel war einmal gefasst und es gab keinen Grund dieses in Frage zu stellen. Der Austausch mit Kommilitonen und das akademische Arbeiten haben mir viel Freude bereitet. 2004 wurde ich in Las Vegas mit dem „Siegfried & Roy - Award“ ausgezeichnet und schloss kurz darauf mein Studium ab. Diese ungewöhnliche Kombination war Anlass für Frank Elstner mich in seine Fernsehsendung „Menschen der Woche“ einzuladen. Dieses Gespräch war dann auch der Start meiner Fernsehkarriere und somit ein unmittelbares Ergebnis meines Studienabschlusses.

 

Könnten Sie sich vorstellen, die Zauberer- Karriere irgendwann an den Nagel zu hängen und als Wirtschaftsingenieur zu arbeiten?

PIERRO: Ich liebe meine Arbeit und alles was damit zusammenhängt. Das heisst aber nicht, dass ich mich nicht irgendwann beruflich wieder verändern würde. Wo das dann hingeht, davon lasse ich mich selbst überraschen.

 

Was sagen Ihre ehemaligen Kommilitonen zu Ihrem heutigen Beruf?

PIERRO: Das fanden alle immer klasse - irgendwie hat jeder schon damals gewusst, dass das mein Weg sein würde. Was soll man auch von jemandem denken, der Spielkarten in Boomerang-Bewegungen durch die Vorlesungen schleudert? Nur einmal fragte mich ein Kommilitone etwas spöttisch, ob ich nicht lieber im gehobenen Management arbeiten würde, statt „als Gaukler“ umherzuziehen. In dem Moment kam ein Zeitungsverkäufer, fragte mich nach einem Autogramm und sagte, dass seine ganze Familie „Verstehen Sie Spaß?“ immer nur wegen mir anschaut. Da war auch der letzte Kritiker verstummt.

 

In den letzten Jahren sieht man Sie häufig im öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehen, dennoch treten Sie auch in 30-minütigen Umbaupausen auf dem Karlsruher FEST auf und verzaubern die Hügel-Zuschauer. Vor welchem Publikum fühlen Sie sich eher zu Hause?

PIERRO: Ich würde das Kleinkunst-Forum mit 3.000 Zuschauern auf der anderen Seite des Hügels nicht als Umbaupause bezeichnen, sondern als eigenständigen Teil des Festivals. Viele Familien kamen ganz gezielt zu dem Programmpunkt. Natürlich ist es toll, dass ich mir meine Engagements meistens auswählen kann und auch über das Fernsehen regelmäßig viele Millionen Zuschauer erreichen kann - ich wollte keines von beidem missen.

 

Wenn Sie auf einem Grillfest eingeladen sind, überstehen Sie den Abend, ohne einmal vor den Gästen zaubern zu müssen?

PIERRO: Erstaunlicherweise ja! Irgendwie verstehen dann doch alle, dass irgendwann Feierabend ist. Und insgeheim fürchtet manch einer wohl, dass ich sonst sein Steak und Bier verschwinden lassen würde.

 

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