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Interview mit Dr. Eichelberger

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Dr. Eichelberger

Dr. Eichelberger hat am KIT Physik studiert und 1969 auch in Physik promoviert. Als Mitglied der Karlsruher Universitätsgesellschaft ist er stets in Verbindung mit dem KIT geblieben. Nach seinem Arbeitsleben widmet er sich nun wieder seinem Hobby, der Fotografie und unterstützt Studierende des KIT durch Deutschlandstipendien und Promotionspreise.

Sie haben Physik in Karlsruhe studiert. Was ist Ihnen von Ihrem Studium besonders in Erinnerung geblieben?

Das sind einerseits viele verschiedene Erinnerungen, andererseits ist vieles schon so lange her. Für das Physikstudium gab es damals keinen Lehrplan – entsprechend frei waren wir in der Wahl unserer Vorlesungen und ich habe neben der Physik auch Vorlesungen in der Elektrotechnik  belegt. Besonders sind mir auch die Vorlesungen der Atomphysik in Erinnerung geblieben, vielleicht auch, weil ich ja später in diesem Fach promoviert habe. Außerdem kann ich mich gut an die verschiedenen Jobs erinnern, mit denen ich mein Studium finanziert habe.

 

Sie haben sich neben Ihrem Studium in der Fachschaft bzw. im ASTA engagiert. Welche Themen wurden damals heiß diskutiert?

Wichtig waren vor allem soziale Fragen. Das fing bei der Vergabe von Stipendien an bedürftige Kommilitonen und das Farbetragen der Korporierten in der Öffentlichkeit bis hin zum politischen Engagement der Studenten z.B. beim Ungarnaufstand 1956.

Der meist angenehmere Teil war aber die Organisation von Studienfahrten zu Unternehmen und zu anderen Universitäten.

 

Heute engagieren Sie sich wieder für Studierende. Durch die Stiftung, die Sie gemeinsam mit Ihrer Frau gegründet haben, unterstützen Sie Studierende mit Stipendien und vergeben Promotionspreise. Was hat Sie zu diesem privaten Engagement bewogen?

Meine persönlichen Erfahrungen aus dem Studium haben bei mir dazu geführt, auch aktuelle Studierende unterstützen zu wollen. Meine Frau wurde als Deutsche aus der damaligen Tschechoslowakei vertrieben. Die Flucht und die ersten Jahre als Staatenlose waren besonders schwer. Sie hat sich dann aus dem Nichts wieder eine Existenz aufgebaut, Sprachen studiert und wurde Dolmetscherin.

Insgesamt verdichtete sich im Laufe der Zeit bei uns die Einstellung, der Gesellschaft etwas zurückgeben zu wollen.

 

Ihre Promotion war an der Schnittstelle zwischen Physik und Chemie. Nach dem Abschluss Ihrer Promotion sind Sie bei der BASF im Bereich Datenverarbeitung/Naturwissenschaftliche Informatik eingestiegen. Wie kam es dazu, dass Sie als Physiker im informationstechnischen Bereich Ihren Berufsweg starteten?

Als Kernphysiker war mein Promotionsthema nicht geeignet für eine industrielle Karriere. Aber ich habe gemeinsam mit einem Kollegen eine größere Vakuumkammer und Messgeräte für unsere Versuche entworfen und gebaut. Zudem fallen in der Kernphysik bei Messungen viele Daten an, die dann verarbeitet werden müssen. Dazu ist die Entwicklung einer Prozessnahen Software erforderlich. Mit diesen Teilgebieten habe ich mich intensiv beschäftigt und mir damit den Einstieg bei der Industrie erleichtert. Zunächst habe ich bei der BASF die EDV-gestützte Simulation von komplexen Trennverfahren und die prozessnahe Analytik betreut, Time-Sharing*, E-Mail und die Installation von Terminals auf den Schreibtischen der Mitarbeiter waren  zu dieser Zeit noch Fremdworte.

 

Sie haben die BASF auf dem Weg ins digitale Zeitalter begleitet und die rasanten Entwicklungen auf dem IT-Markt mitgemacht. Haben Sie zu Beginn Ihrer Karriere mit diesen schnellen Entwicklungen gerechnet?

Ich habe in der BASF die bestehende EDV Groß-Installation kritisch gesehen, weil die naturwissenschaftlichen Bereiche der Firma nicht Prozess-nah bedient wurden. Ich habe mich an der Untersuchung des Bedarfs von EDV-Leistung in diesen Bereichen beteiligt und schließlich eine Time-Sharing Anlage für Forschung und Entwicklung mitinstalliert, welche ich auch mehrere Jahre aktiv betreut habe. In dieser Zeit erinnere ich mich an eine Diskussionsrunde mit Michael Dell, welcher die Prognose aufstellte, dass sich alle 1,5 Jahre die Geschwindigkeit der Hardware um das 10-fache erhöhen wird, dass also in etwa 4 Jahren mit dem Tausendfachen der damaligen Leistung zu rechnen sein würde; ich habe das damals bei einer aktuellen Taktfrequenz von 100 Megahertz angezweifelt – zu Unrecht, wie wir wissen. Es brauchte gerade einmal zwei Jahrzehnte bis zur Runderneuerung der Informatik und dem radikalen Schnitt der Technologien zu den Geräten, die wir heute bei gleicher Leistung in der Westentasche tragen.

 

Sind Sie auch nach Ihrem Renteneintritt weiter an der IT interessiert?

Nach der Pensionierung habe ich in einem Mittelstandsunternehmen der IT-Branche  mit dem Aufbau der IT-Managementstruktur, d.h. zunächst der Erstellung des Qualitäts-Management-Handbuchs nach ISO 9000 (QMH) bis zur Zertifizierung betreut und schließlich die weitere Zertifizierung im Jahre 2005 verantwortet.

 

Sie fotografieren gerne, welche Kamera nutzen Sie?

Bis 2006 habe ich mit mehreren Kameratypen analog fotografiert, zuletzt waren das Minolta und Leica. Heute habe ich die analogen Kameras nur noch aus Sammlerinteresse und fotografiere mit digitalen Kameras, neuerdings vor allem mit den leichten Kompakten von Canon und Panasonic (Lumix-Serie).

 

Was ist Ihr Lieblingsmotiv?

Meine wahren Interessen waren und sind Nah- und Makro-Fotografie mit großen Spiegelreflexen (SLR) – vorteilhaft ist für mich die Verwendbarkeit des Zubehörs aus der Analog-Zeit. Allerdings wird mit dem Alter das Tragen der Ausrüstung beschwerlicher.

 

 

 

* Time-Sharing war der erste konzeptionelle Ansatz in der Computertechnologie, mehrere Benutzer an einem Computer gleichzeitig arbeiten zu lassen (Mehrbenutzersystem), indem sie sich die Rechenzeit des einzigen vorhandenen Prozessors teilten. Jedem einzelnen Benutzer erschien es dabei so, als hätte er die gesamten Ressourcen des Computers stets für sich allein zur Verfügung.