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Interview mit Alumna Hildegard Hoyland

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Hildegard Hoyland

Bis zu ihrer Pensionierung 1999 arbeitete Hildegard Hoyland u.a. als Sekretärin im Sprachendienst des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg und der Europäischen Schule in Karlsruhe. Danach gönnte sie sich ein „gap year“ und begann im Wintersemester 2000/01 im Alter von 66 Jahren zu studieren. Im Frühjahr 2007 hat Sie Ihren Masterabschluss in Geschichte gemacht. Claudia Reichert erzählt sie, warum ihr Alter kein Problem war.

Frau Hoyland, warum haben Sie sich nach ihrer Pensionierung dazu entschieden zu studieren?

Im Alter haben viele Menschen Interesse daran, etwas im Vergleich zu ihrem vorherigen Leben völlig anderes zu tun. Geschichte ist ein sehr interessantes Fach, vor allem auch, wenn man beruflich in seinem Leben nichts mehr erreichen MUSS. Das Studium war die erste Möglichkeit, etwas nur für mich zu tun, nicht für die Familie. Wie ein ausgetrockneter Schwamm sog ich alles Wissen auf.

Wie haben Sie ihre Studienzeit erlebt?
Es war eine tolle Zeit, ein Vergnügen. Als ich das erste Mal zur Universität gegangen bin, hat mich das viel Mut gekostet. Auch jeder erste Eintritt in ein Seminar erforderte Überwindung. Viele meiner Kommilitonen hätten meine Enkel sein können. Am Anfang war ich auch sehr zurückhaltend, aber sobald ich mit Jemandem ins Gespräch kam, war es immer freundlich und anregend. Viele Kontakte habe ich auch jetzt noch. Mit einigen Kommilitonen habe ich Freundschaften geschlossen, die heute weiter bestehen.

Wie haben Ihre jüngeren Kommilitonen auf Sie reagiert?
Hervorragend! Wirklich ohne Vorbehalte. Es gab auch den Vorwurf, ältere Gasthörer würden den jüngeren Kommilitonen die vorderen Plätze wegnehmen. Aber eigentlich wollten die meisten von ihnen sowieso nicht gerne vorne sitzen. Da können die Jungen doch auch denen, die nicht mehr so gut hören, die vorderen Plätze überlassen.

Ist Ihnen das Lernen schwer gefallen?
Das Gedächtnis ist natürlich deutlich besser, wenn man jung ist. Allerdings hatte ich ja viel Zeit zum Lernen - ich musste abends ja nicht mehr ausgehen und auch nicht jobben. Die Prüfungen waren natürlich schwer und nicht sehr angenehm, aber das empfindet sicherlich jeder ähnlich. Ich habe mich aber auch gerne richtig reingekniet.

Würden Sie ein Studium nach der Pensionierung weiterempfehlen?
Ich würde ältere Menschen dazu ermutigen, als Gasthörer Vorlesungen zu besuchen. Es muss ja nicht so vertiefend sein wie bei mir. In meiner Generation haben viele nicht studiert oder studieren können, vor allem Frauen. Man war aus verschiedenen Gründen einfach nicht in der Lage dazu. Wenn man in Rente ist, hat man doch viel Zeit und kann sie für etwas Sinnvolles nutzen.

Was haben Sie jetzt vor?
Ich bin offen für alles und schließe nichts aus. Immerhin gibt es für mich noch viel zu lernen.