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Interview mit Alumnus Oscar Escalante-Mendieta aus Mexico

Foto Oscar Escalante-Mendieta
Oscar Escalante-Mendieta

„Mit Leidenschaft, Begeisterung und Flexibilität”

Oscar Escalante-Mendieta, geboren 1978 in Mexico City, studierte von 2004 bis 2006 in Karlsruhe Elektrotechnik und Informationstechnik. Der frisch diplomierte Elektroningenieur arbeitet nun für die Unternehmensberatung Detecon in Bonn. In seiner Position als Business Analyst arbeitet er im Bereich drahtlose Übertragungstechnik an verschiedenen Projekten. Im Gespräch mit Sandra Gäckle erzählt er von seinem Studium und seinem Berufseinstieg.

Herr Escalante-Mendieta, was hat Sie zum Studium nach Karlsruhe geführt?
Während meinem Studium in meinem Heimatland wollte ich immer ein Auslandsstudium machen. Ich hatte mich lange über verschieden Zielländer informiert. Bekannte von mir hatten schon Masterstudien in Deutschland absolviert und einer meiner besten Freunde hatte ein Jahr zuvor das Studium in Karlsruhe begonnen. Dieser erzählte mir, wie renommiert die Uni Karlsruhe sei. Zudem hatte ich ein Stipendium vom DAAD bekommen. Trotz mehrerer Optionen habe ich mich am Ende für Karlsruhe entschieden.

Wie würden Sie Ihre Studienzeit in Karlsruhe beschreiben?
Wie eine anspruchsvolle Lernphase. Im Vergleich zu Mexiko fordert das Studium in Deutschland sehr viel Selbstverantwortung und Disziplin von den Studierenden. Am Anfang musste ich natürlich mein Deutsch verbessern. Während meiner Studienzeit habe ich mich aber nicht nur auf Bücher fokussiert, ich habe mich auch in verschiedenen Studenteninitiativen engagiert, viel Sport und natürlich auch ein bisschen Party gemacht. Alles im Griff zu haben ist auch ein Vollzeitjob.

Sie haben erst vor weniger als einem Jahr Ihren Abschluss gemacht. Ist beim Start ins Berufsleben alles nach Plan verlaufen?
Sogar viel besser als geplant. Ich muss aber auch sagen, dass ich mich sehr gut auf den Einstieg ins Berufsleben vorbereitet habe. Zum Beispiel durch Seminare und Kolloquien an der Uni, die einem bei der Bewerbung helfen sollten. Am Anfang war ich sehr unsicher, wie die Arbeitssuche bei mir ausgehen wird. Glücklicherweise ist aber alles wunderbar gelaufen, so dass ich sehr gute Stellenangebote bekommen habe.

Beschreiben Sie bitte kurz Ihr Aufgabenfeld bei der Detecon.
Wir sind ein Unternehmen für integrierte Management- und Technologieberatung. Ein großer Teil von unseren Geschäften liegt im Telekommunikationsbereich. Ich arbeite in der Abteilung Kommunikationstechnik im Bereich Mobilfunk. Meine Aufgaben hängen von unseren Projekten ab. Einige der Aufgaben, die ich zurzeit durchführe, sind die Analyse und Auswertung von Herstellern für Basisstationen für bandbreite Datenübertragung, die Erstellung einer Ausschreibung für das Accessnetz eines neuen Operators und die Vorbereitung eines Lizenzangebots für eine Investitionsgruppe.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, nach Ihrem Abschluss für eine deutsche Firma zu arbeiten und nicht in Ihr Heimatland zurückzukehren?
Ich habe es für sinnvoll gehalten, zuerst hier einige Jahre Berufserfahrung zu sammeln. In Mexiko wird Auslandserfahrung sehr hoch bewertet. Führungspositionen werden dort sehr oft an Leute vergeben, die im Ausland gearbeitet haben. Zudem finde ich, dass die Lebensqualität in Deutschland ein hohes Niveau hat.

Das deutsche Einwanderungsrecht wird von vielen Seiten kritisiert. Einwanderung und Aufenthalt von Ausländern seien durch das Zuwanderungsgesetz von 2005 nicht erleichtert worden. Was sind Ihre Erfahrungen als ein in Deutschland lebender und arbeitender Mexikaner?
Ich kann nur sagen, dass es nicht leicht ist, als Nicht-Deutscher in Deutschland eine Arbeitsgenehmigung zu bekommen. Der Vorgang nimmt viel Zeit in Anspruch und man kann nicht sicher sein, dass am Ende eine positive Entscheidung getroffen wird. Zum Glück hat meine Firma das Verfahren sehr gut durchgeführt, so dass ich die Genehmigung bekommen habe. Die Genehmigung muss aber jedes Jahr erneut eingeholt werden. Ich hoffe nun, dass nächstes Jahr wieder alles gut laufen wird.

Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür, dass der größte Teil der Gaststudenten nach ihrem Abschluss ins Ausland geht und nicht in Deutschland bleibt?
Ich denke es ist eine Kombination aus mehreren Faktoren. Wie schon erwähnt, kann das mit der Arbeitsgenehmigung ein bisschen schwer werden. Dazu spielen kulturelle Faktoren eine sehr wichtige Rolle. Viele internationale Studierende finden es nicht leicht, sich an die deutsche Kultur anzupassen und fühlen sich nicht genug integriert. Wenn man hier also eine strenge Zuwanderungspolitik plus kulturelle Barrieren vorfindet und irgendwo anders bessere Perspektiven sieht, dann ist diese Flucht nachzuvollziehen.

Moskau – Sophia – Chicago – Äquatorial Guinea. Für Ihre Arbeit müssen Sie sehr viel reisen. Gibt es ein Ereignis, welches Ihnen dabei besonders in Erinnerung geblieben ist?
Stimmt, bei meiner Arbeit bei der Detecon muss ich viel Reisen. Es ist aber kein Muss, wenn es einem Spaß macht. Das Reisen erlaubt mir, Leute aus vielen verschiedenen Ländern kennen zu lernen und ein bisschen mehr über andere Kulturen zu erfahren. Dinge, die mir in Erinnerung geblieben sind, gibt es viele. In Moskau zum Bespiel ist es so, dass wenn man für ein Taxi die Hand hebt, in wenigen Sekunden eine ganze Reihe von Autos dastehen, die bereit sind, um den Preis für die Fahrt zu verhandeln. In Chicago waren es natürlich die riesigen Gebäude und die Tatsache, dass überall die Klimaanlage läuft. In Äquatorial Guinea war ich davon beeindruckt, wie schnell so ein kleines Land sich Dank seiner Ölreserven entwickeln kann.

Haben Sie als erfolgreicher Berufseinsteiger einen guten „Karriere-Tipp“ für frisch Absolvierte?
Sich gut für die Bewerbungen vorzubereiten. Dies fängt damit an, dass man sich selbst erkennt und sich klar macht, was man erreichen und wohin man gehen möchte. Zudem muss man wissen, was man selbst bereit ist dafür zu tun. Wenn das Ziel und die Ressourcen klar sind, dann benötigt es die entsprechende Leidenschaft, Begeisterung und Flexibilität.