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Interview mit dem Alumnus Matthias K. Reumann

Foto Matthias Reumann
Matthias K. Reumann

Matthias Reumann, geb. 6.1.1978, hat von 2003- 2007 an der Universität Karlsruhe am Institut für Biomedizinische Technik promoviert. Seit Juni 2007 arbeitet er am T.J. Watson Research Center in New York, dem Forschungszentrum von IBM. Dort forscht er auf dem Gebiet der Herzmodellierung. Um den Kontakt zur Heimat und zur Fridericiana nicht abbrechen zu lassen, engagiert er sich im neu gegründeten AlumniKaTH-Regionalclub New York City. Herr Reumann, Sie haben drei Jahre in Southampton Elektrontechnik studiert. Was hat Sie danach an die Universität Karlsruhe geführt? Ich wollte in England studieren, aber auch die deutsche Universität kennen lernen. So war das Tripartite Programm wie maßgeschneidert für mich. Da Karlsruhe die beste Universität für Elektrotechnik in Deutschland war und ist, fiel es mir nicht schwer, mich für diese Universität zu entscheiden. So bin ich dann im September 2001 nach Karlsruhe gekommen. Hier habe ich Prof. Dössel am Institut für Biomedizinische Technik (IBT) kennengelernt. Sein Forschungsbereich hat mich sehr interessiert und zur Promotion wollte ich forschen und lehren und das hat mir nur das IBT geboten.

Wie wurde Ihr Interesse an der Medizintechnik geweckt?

In meinem zweiten Studienjahr habe ich einen Kurs über Bildverarbeitung gehört. Hier wurden auch Beispiele aus der medizinischen Bildverarbeitung vorgestellt. In meinem dritten Studienjahr habe ich dann in England in einem Gruppenprojekt mitgearbeitet, in dem wir aus zweidimensionalen Ultraschallbildern und einer örtlichen Registrierung des Ultraschallkopfes ein dreidimensionales Modell zur Erkennung von Tumoren in der Brust erstellen sollten. Das Projekt hat mein Interesse an der Bildgebung und –verarbeitung in der Medizin geweckt. Prof. Dössels Vorlesung „Bildgebende Verfahren in der Medizin“ hat mir dann den letzten Kick in die Medizintechnik gegeben. Mich hat immer der interdisziplinäre Aspekt gereizt und die Vorstellung, mit meiner Arbeit Menschen helfen zu können.

Wie würden Sie Ihre Studienzeit in Karlsruhe beschreiben?
Ich konnte die Deutschen und ihre Eigenarten aus einem anderen Blickwinkel betrachten, nachdem ich drei Jahre in England gelebt habe. Obwohl ich Deutscher bin, habe ich mich in dem einen Studienjahr in Karlsruhe als Ausländer gefühlt. Es war eine interessante Erfahrung. Die Gruppen hatten sich im Semester im Vordiplom gebildet und da hinein zu kommen war nicht leicht. Auch der Vorlesungsstil ist anders als in England. Während meiner Promotion war es dann nicht mehr so. Da war ich dann wieder als deutscher Bürger voll integriert.

Sie haben nach Ihrem Abschluss an der Universität Karlsruhe am Institut für Biomedizinische Technik (IBT) gearbeitet. Womit haben Sie sich dort beschäftigt?
Ein Schwerpunkt am IBT sind Computermodelle vom Herzen. Durch Simulationen wird die Herzfunktion untersucht. Meine Aufgabe war es, die bestehenden Modelle im Bezug zur Klinik zu stellen. Die klinische Anwendung von Computermodellen des Herzens ist mein Spezialgebiet geworden und macht mir immer noch sehr viel Spaß.

Sie arbeiten nun seit fast einem Jahr am IBM Watson Research Center in der Abteilung Funtional Genomics and Systems Biology. Womit beschäftigen Sie sich dort?
Ich forsche weiter auf dem Gebiet der Herzmodellierung. Hier bei Watson habe ich Zugriff auf einen der größten Computer der Welt mit 20000 Dual Core Prozessoren. Das eröffnet ganz andere Dimensionen für die Modellierung.

Wie gefällt Ihnen die Arbeits- und Lebensumgebung in den USA?
Es ist sehr interessant. Man darf kommen und gehen, wann man will. Jedoch muss die Leistung stimmen. Das führt natürlich auch zu der einen oder anderen Nacht ohne Schlaf im Labor, aber die Flexibilität gefällt mir sehr. Ungewöhnlich für mich, aber gewöhnlich in den USA, sind die sehr kleinen Büros ohne Fenster. Da ist das Gesetz in Baden-Württemberg über den Anspruch auf Bürofläche der Angestellten an der Uni ein Traum. Die Lebensumgebung ist noch interessanter. Zum einen bietet New York City natürlich sehr viel und man wird nicht satt, die Stadt zu erobern. Zum anderen komme ich sehr viel in Kontakt mit den Amerikanern. Gerade jetzt im Päsidentschaftswahlkampf werden mir viele Sichtweisen und Eigenheiten der Amerikaner bewusst. Vieles ist so gleich und doch so anders. Die schwerste Erfahrung ist, dass der Reisepass nicht genügt, um seine Identität zu beweisen, sondern dass man zusätzlich noch Strom- und Telefonrechnung braucht, um sich auszuweisen. So mussten meine Frau und ich hier in den USA noch einmal standesamtlich heiraten – das volle Programm mit Ringtausch und Eheversprechen – damit unsere Ehe anerkannt wird. Eine notarielle Übersetzung unserer deutschen Heiratsurkunde genügte den Behörden nicht.

Sie sind Gründungsmitglied des neuen AlumniKaTH- Regionalclubs New York City. Was motiviert Sie persönlich am Aufbau dieses Netzwerks mitzuwirken?
Es hat gut getan, Leute aus der Heimat zu treffen, die, wie sich herausstellte, genau die gleichen Probleme zu Beginn ihrer Zeit in den USA hatten, wie man selbst. Man kannte sich zwar vorher nicht, aber als Alumni verbindet einen doch etwas. Man lernt viele interessante neue Leute aus allen Jahrgängen kennen. Ende Februar beginnen wir einen Stammtisch, bei dem wir einem Vortrag ein gutes Schnitzel und gutes deutsches Bier folgen lassen. Oft sind es die kleinen Dinge, die man vermisst, wie ein anständiges Schnitzel. Das Generalkonsulat und der DAAD unterstützen uns dabei und wir können uns im Deutschen Haus in NYC treffen. Somit finden unsere Treffen sogar auf deutschem Boden statt. Der Kontakt zur Heimat soll auf jeden Fall bleiben. Ich will ja nicht wieder als „Ausländer“ nach Deutschland zurück kommen.

Verraten Sie uns Ihre Pläne und/oder Wünsche für die Zukunft?
Mein beruflicher Wunsch für die Zukunft ist, dass ich immer weiter Neues lerne und an Herausforderungen wachse. Da bin ich hier bei IBM Research erstmal richtig. Irgendwann wollen meine Frau und ich aber gerne wieder zurück nach Deutschland oder zumindest Europa. Die Pfalz und Baden haben es uns angetan – mal schauen, welche Berufsaussichten sich für uns in ein paar Jahren bieten.