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Hochautomatisierte Simulationsberechnung

Das Spin-off Renumics GmbH nutzt maschinelle Lernverfahren, um Computer Aided Engineering effizienter zu gestalten und Berechnungsingenieure zu entlasten.
Das Gründerteam von Renumics (v.l.n.r.): Steffen Slavetinsky, Markus Stoll und Dr. Stefan Suwelack.
Beispielsimulation von Renumics
Egal ob Automobil, Werkzeugmaschine oder Kaffeetasse – die Technologie von Renumics ermöglicht die automatische Erstellung digitaler Zwillinge. So können Simulationswerkzeuge auch von Nicht-Experten genutzt werden.

 

Das Gründerteam von Renumics (v.l.n.r.): Steffen Slavetinsky, Markus Stoll und Dr. Stefan Suwelack.

Crashtests sind eine kostspielige Angelegenheit. In frühen Entwicklungsstadien werden Kollisions-versuche daher oft durch Computersimulationen ersetzt, die tausendfach unter Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren durchgeführt wer­den können. Diese Simulationen basieren meist auf computergestützten Prozessen, dem soge­nannten Computer Aided Engineering (CAE). Im Zentrum stehen dabei Berechnungsingenieu­re, die numerische Modelle erstellen und damit Konstrukteuren bei der Analyse und Optimierung ihrer Designs helfen. Entscheidende Zeit- und Kostentreiber sind dabei die vielen manuellen Arbeitsschritte. So investieren Berechnungsinge­nieure erhebliche Zeit in Routinetätigkeiten, wie etwa Geometrieaufbereitungen und Dateninte-gration, anstatt sich auf Modellierungs- und Ana­lysearbeiten konzentrieren zu können. Genau hier setzt Renumics an: Das Spin-off aus dem KIT hat eine Software entwickelt, mit der sich CAE automatisieren lässt. Maschinelle Lernverfahren helfen dabei, Simulationsworkflows wesentlich effizienter zu gestalten.

Anders als vermutet hat die Technologie ihren Ursprung jedoch in der Medizintechnik und nicht im Maschinenbau. Zwei der heutigen Renumics- Gründer, Stefan Suwelack und Markus Stoll, arbeiteten als wissenschaftliche Mitarbeiter im Forschungsprojekt „Cognition-Guided Surgery“, das vom KIT in Kooperation mit der Universität und dem Universitätsklinikum in Heidelberg um­gesetzt wurde. Die Idee war ein intelligentes, ko­gnitives Assistenzsystem für Chirurgen, das ähn­lich einem Menschen mitdenkt. Ein wesentliches Forschungsfeld bildete auch hier die Kombination maschineller Lernverfahren mit Simulationsauto­matisierung. Eine Konferenz für Maschinenbau wurde zum Schlüsselmoment für das Duo: Ihre Idee stieß auf Anklang, woraufhin die Speziali­sierung auf den Bereich Maschinenbau erfolg­te. „Seit längerem“, so Stoll, „hegten wir den Plan, eines Tages unser eigenes Unternehmen zu gründen. Als der Zuspruch immer größer wurde, nahm dieses Bestreben plötzlich konkrete Züge an“. Mit Steffen Slavetinsky, der im Zuge seiner Masterthesis tiefe neuronale Netze zur Klassifika­tion von 3D-Modellen entwickelte, stieß das drit­te Gründungsmitglied hinzu.

Seit November 2016 werden die drei Jungun­ternehmer durch das EXIST-Gründerstipendium unterstützt, im Februar 2017 folgte die offizielle Gründung. Die Weiterentwicklung der Technolo­gie und die Anpassung an Kundenanforderungen liegen in den Händen von Stoll und Slavetinsky, Suwelack verantwortet den Vertrieb. Obwohl alle Drei Informatik studiert haben, stellen die vielsei­tigen Aufgaben bei der Unternehmensgründung für sie kein Problem dar. Suwelack erklärt: „Wich­tig war uns, dass alle Teammitglieder ähnliche Werte vertreten und fachlich exzellent sind. Die Abdeckung möglichst vieler, unterschiedlicher Kompetenzen war eher zweitrangig. Fehlende Kenntnisse haben wir uns größtenteils durch ‚Learning by doing‘ angeeignet. Wir durften aber auch auf ein hervorragendes Netzwerk an Mentoren zurückgreifen, die wir in mehreren Accelerator-Programmen kennengelernt haben.“ So nahm Renumics beispielsweise am upCAT teil – einem Förderprogramm des KIT, das Gründer in der Frühphase bei der Konkretisierung des Ge­schäftsmodells unterstützt.

„Viele Kritiker erachteten unsere Idee in der Früh­phase als zu unspezifisch, da wir uns auf keine bestimmte Branche spezialisieren wollten. Davon ließen wir uns aber nicht abhalten. Hier unter­stützte uns insbesondere Prof. Rüdiger Dillmann, Leiter des Instituts für Anthropomatik und Robo­tik. Er ermutigte uns, den Schritt in die Selbst­ständigkeit zu wagen“, erzählt Stoll. „Hinzu kamen wichtige Kontakte, die wir während der Teilnahme an der von der Daimler AG mit initiier­ten STARTUP AUTOBAHN knüpfen konnten. Die Plattform für etablierte Unternehmen und Start-ups bot uns die Möglichkeit, direkt mit Ingenieu­ren zu sprechen, die uns erklärten, wo deren Pro­bleme im Workflow liegen und welche Zeitfresser es zu beheben gilt“.

Heute arbeitet Renumics mit vielen Firmen aus der Automobil-, der Chemie- sowie der Ma-schinenbauindustrie in Pilotprojekten zusammen. Stefan Suwelack blickt optimistisch in die Zu­kunft: „Neben den individuell auf Großkonzerne abgestimmten Lösungen planen wir 2018 eine Art Baukasten. Damit können Berechnungsinge­nieure die Software so adaptieren, wie es für das jeweilige Unternehmen erforderlich ist. Unser Ziel ist eine offene, hochskalierbare Webplattform, mit der wir uns langfristig auch international als führender Anbieter für CAE-Automatisierung etablieren können.“

 

Kontakt

Dr. Stefan Suwelack
Renumics GmbH
Adenauerring 4
76131 Karlsruhe
infoGnd0∂renumics com