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„Eine Entdeckungsreise ist erst dann abgeschlossen, wenn man zum Ursprungsort zurückkehrt…“ - Ein Interview mit Alumnus Alexander Gerst

 

Agnes Honka, Alumni-Netzwerk des KIT

Der ESA-Astronaut keht zurück ans
KIT.

Der ESA-Astronaut Dr. Alexander Gerst ist wohl einer der bekanntesten Alumni des KIT. Nun verliehen ihm die KIT-Fakultäten für Physik und für Bauingenieur-, Geo- und Umweltwissenschaften die Ehrendoktorwürde für seine Verdienste um die Wissenschaft. Zur feierlichen Übergabe der Urkunde am 12. Juli 2019 zitierte A. Gerst in seiner Dankesrede den Lyriker T.S. Eliot mit den Worten: „Wir Menschen sind Entdecker und werden immer als Entdeckungsreisende tätig sein. Eine Entdeckungsreise ist allerdings erst dann abgeschlossen, wenn man zum Ursprungsort zurückkehrt. Erst dann ist man fertig und erst dann wird man den Ort, zu dem man zurückgekehrt ist, richtig verstehen.“

Alexander Gerst kehrte zurück ans KIT und begeisterte in seinem Vortrag das volle Audimax. Er stand uns am Rande der Zeremonie für einige Fragen zu seiner Zeit in Karlsruhe zur Verfügung.

v.l. Prof. Holger Hanselka, Agnes Honka, Dr. Alexander Gerst

 

Dr. Alexander Gerst überreicht die
KIT-Fahne, die er 2014 im Weltall dabei hatte.

Guten Tag Herr Gerst, schön, dass Sie, als ehemaliger Student der Universität Karlsruhe, sich heute Zeit für uns nehmen und Ihre Erfahrungen und Eindrücke aus der Studienzeit mit anderen Alumni teilen. Das Alumni-Netzwerk des KIT ist ein starkes Netzwerk: 25.000 Mitglieder auf der ganzen Welt, die sich regelmäßig treffen und mit dem KIT und auch untereinander weiterhin verbunden bleiben. Mit Ihnen ist sogar ein Alumnus im Weltall gewesen! Als Sie hier in Karlsruhe studiert haben, was war da für Sie ein ganz besonderes Erlebnis, an das Sie sich gerne zurückerinnern?

In Karlsruhe habe ich gelernt, dass da draußen noch viel mehr existiert, wie groß diese Welt ist, in geographischer und wissenschaftlicher Weise, was es noch zu entdecken gibt und dass es sich lohnt hinter die Horizonte zu blicken. Hier habe ich die Gelegenheit dazu bekommen, mein wissenschaftliches Fundament aufzubauen und meine Neugierde zu schulen. Das ist das, wofür ich meinem Betreuer und meinem Umfeld hier sehr dankbar bin, denn sie haben mich ohne zu zögern unterstützt.

Ich weiß noch, als ich in das Büro von Prof. Wenzel kam, und sagte: „Ich würde gerne in Neuseeland studieren und den Master machen“ -  das hat bisher noch niemand gemacht. Aber wir sind dann zusammen die Prüfungsordnung durchgegangen und haben geschaut, ob wir das hinbekommen. Er hat sofort positiv reagiert und gesagt „Ja, das ist eine gute Idee! Das unterstütze ich, da habe ich keine Zweifel oder Bedenken.“ Das fand ich super, das hat mir Auftrieb gegeben, und ich konnte anfangen, selbst den Kontakt zur Universität Wellington aufzubauen.

Oder als 2001 der Vulkan Ätna ausgebrochen ist, da habe ich sofort gedacht „Wow, das will ich mir unbedingt von Nahem anschauen,“ das waren damals meine ersten Berührungspunkte mit Vulkanen. Also fragte ich Prof. Wenzel erneut, ob er mich unterstützen würde. Er schickte direkt ein Fax an die Katastrophenschutzbehörden und sagte: „Hallo, hier ist ein Student der Geophysik von mir, er will in die Vulkanologie, unterstützt ihn doch mal“. Die Antwort war dann prompt: „Ja dann komm doch mit hoch, wir zeigen dir das Alles mal!“

Diese Gelegenheiten hatte ich, weil ich hier in Karlsruhe studiert habe. Sie haben mich wirklich weitergebracht und mich ermutigt zu denken: „Ja, es geht, ich kann tatsächlich über meinen Horizont hinausblicken.“ Deswegen verbinde ich mit Karlsruhe den Start von vielen Abenteuern und Möglichkeiten und das ist was sehr Schönes. 

Überreichung der Ehrendoktorwürde
im vollen Audimax.

Das KIT ist für viele auch ein Universum bzw. ein Kosmos für sich. Wenn Sie an die Zeit im Weltall denken und die Zeit hier in Karlsruhe, welche Parallelen können Sie erkennen?

Das ist genau das, was ich gerade gesagt habe – beide schauen über Horizonte hinweg. Bei der ESA machen wir das aus dem Weltraum heraus - in geographischer, wissenschaftlicher aber auch persönlicher Weise. Ich bin über meinen ganz eigenen persönlichen Horizont gesprungen, als ich plötzlich für die gesamte Crew verantwortlich war. Das war auch etwas Neues, das ich vorher noch nicht kannte. Dieses Über-Grenzen-Gehen, was ja die Exploration kennzeichnet, wird in tausendfacher Weise jeden Tag am KIT getan. Jeden Tag gehen hier Menschen über ihre Horizonte und finden Neues heraus. Das ist eine ganz eindeutige Parallele und etwas ganz Großartiges.

Wenn Sie heute nochmal studieren würden, welchen Tipp würden Sie sich als Studienanfänger geben?

Ehrlich gesagt, lief es so gut, dass ich gar nicht viel daran ändern würde. Aber klar, im Nachhinein lassen sich die Punkte schön miteinander verbinden und dann ergibt alles ein Muster, welches man nicht vorhergesehen hat, und alles ergibt plötzlich einen Sinn. Letztendlich ist das Wichtigste, dass man Gelegenheiten packen und sich selbst die Chance geben muss, Dinge auszuprobieren, mutig und neugierig zu sein. Dann ergeben sich viel mehr Möglichkeiten, als man sich das vielleicht je hätte vorstellen können.

 

Lieber Herr Gerst, wir danken Ihnen für Ihre Zeit und wünschen Ihnen noch einige spannende Momente hier auf dem Campus!

Zum Videomitschnitt der Zeremonie

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